Systemkritik
Die Grundlage der Demokratie ist die Volkssouveränität und nicht
die Herrschaftsgewalt eines obrigkeitlichen Staates.
Nicht der Bürger steht im Gehorsamsverhältnis
der Regierung, sondern die Regierung ist dem Bürger im Rahmen
der Gesetze verantwortlich für ihr Handeln.
Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung
zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte
missachtet!
Dr. Gustav Heinemann Bundespräsident 1969-74
Was jemand denkt, merkt man weniger
an seinen Ansichten als an seinem Verhalten.
Isaac Bashevis Singer (1904-91, amerik. Schriftsteller,
1978 Nobelpr. f. Lit.)
Übel erkennen heisst schon, ihm teilweisen abhelfen.
Otto von Bismarck («der Eiserne Kanzler»),
18151898; deutscher Politiker, Gründer und erster Kanzler
des 2. Deutschen Reiches
Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind.
Albert Einstein, 18791955; deutsch-US Physiker
Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt.
Johann Wolfgang Goethe, 17491832; deutscher Dichter,
Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker, Politiker
Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen
zusammen: das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.
John F. Kennedy, 191763 (ermordet); 35, US Präsident
(196163)
Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil
wir es nicht wagen, ist es schwierig.
Sokrates, 468399 vCh; griechischer Philosoph
Der Systemkritiker, der Revolutionär, der Widerständler,
der Regimegegner, der Dissident, der die Stabilität und den
Fortbestand eines herrschenden politischen, ökonomischen, religiösen
oder gesellschaftlichen (Sub-)Systems als ein ernsthaftes Gefährdungspotential
herauszufordern vermag, ist aus Sicht der Systemakteure zur Verteidigung
ihrer eigenen Positionen und Privilegien konsequenterweise auszuschalten.
Das Gegnerschafts-Verhältnis zwischen Systemakteuren und Systemkritikern
ist als oppositionell in inhaltlich unvereinbaren und strukturellen
Gegensätzen zu beschreiben.
Solche Systemkritikerfiguren wie beispielsweise
Ghandi, Jesus,
Danton, Che Guevara, Martin
Luther als auch Galileo Galilei setzen ein eigenes Konzept der
Weltanschauung mittels propagierter Visionen gegen die bestehende
Ordnung.
Diese Systemkritiker bilden somit einen Störfaktor für
das Herrschaftssystem, das früher oder später einen Machtverlust
angesichts der alternativen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen,
religiösen oder politischen Ordnung der Systemkritiker zu befürchten
hat. Die Machthabenden sehen sich an einem bestimmten Punkt in der
eskalierenden Auseinandersetzung genötigt, Machtsicherung zu
betreiben und der Gefährdung ihrer Macht Abhilfe zu schaffen,
indem die Systemkritiker direkt konfrontiert und angegriffenen werden
mit der Absicht über die Entledigung ihrer Personen am Besten
auch gleichzeitig ihr jeweiliges Gegenkonzept eliminieren zu können.
Den Systemkritikern wird Gewalt angetan. Die systemseitige Gewalt
ergibt sich aus dem systemseitigen Angriffen als Verteidigungsstrategie,
wobei die systemseitige Gewaltausübung verschiedene Formen
und verschiedene Ausübende auf verschiedenen Ebenen vom Schreibtischtäter
bis hin zum unmittelbaren oder mittelbaren Volltrecker haben kann.
Nicht nur das Wissen, sondern auch das Propagieren einer Meinung,
die von der "herrschenden" Meinung abweicht, provoziert
systemseitige Verteidigungs- und Vergeltungsmaßnahmen. Systemseitige
Einschüchterungs- und Abschreckungsmaßnahmen können
in abgestufter Form sukzessive von gemäßigt bis radikal
angewendet werden. Der Einstieg auf der Maßnahmenskala kann
gegebenenfalls auf einem höheren Niveau des angewendeten Gewaltpotenzials
erfolgen. Siehe dazu auch die Eskalationsdynamik
in der Systemkritik-Auseinandersetzung >>>
Bei all diesen Systemkritik-Auseinandersetzungen handelt es auf
der abstrahierten Ebene um eine Werte-Auseinandersetzung, die in
der Eskalationsdynamik in religiösen, gesellschaftspolitischen
oder ökonomischen Dimensionen einerseits eine Veränderung
der Zustände einfordert und andererseits ein Beharren der Zustände
verteidigt. Dabei kann es letztendlich um eine Beschränkung,
Kontrolle, Umverteilung oder gar Abschaffung von Begünstigungen.
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